Gestaltung ist Handwerk

30.09.2026

Seit nunmehr fünf Jahren ist Kilian Frank Teil des Teams von daniels+erdwiens, seit eineinhalb Jahren als Junior Partner. Hier stellt er sich vor.

 

Was mich als Designer und als Mensch begeistert, sind einfache und zugleich überraschende Lösungen. Lösungen, die aus ergebnisoffenen Prozessen entstehen und die besonderen Eigenschaften eines Materials oder einer Technologie nicht nur berücksichtigen, sondern bewusst zum Ausgangspunkt der Gestaltung machen.

Dabei geht es mir um mehr als um eine schöne Form. Ich suche nach Gestaltung, die sinnlich erfahrbar ist und sich selbstverständlich in unseren Alltag einfügt – manchmal ruhig und zurückhaltend, manchmal dynamisch und überraschend, aber immer mit einer gewissen spielerischen Leichtigkeit. Gestaltung soll Freude bereiten und zugleich dem Menschen und seiner Umwelt dienen, sie achten und schützen.

Daraus entsteht für mich auch eine Verantwortung: gegenüber dem Produkt, den Menschen, die es nutzen, unseren Kunden und nicht zuletzt gegenüber einer lebenswerten Zukunft.

Diplomarbeit „Elementum“ von Kilian in Zusammenarbeit mit Krall+Roth

Verantwortung übernehmen

Diese Haltung ist nicht allein durch meine Ausbildung und meine Arbeit entstanden. Besonders geprägt hat mich mein langjähriges ehrenamtliches Engagement bei den Pfadfindern. Dort habe ich früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen, Dinge selbst auszuprobieren und dabei auch zu scheitern. Denn zum Erfolg gehört für mich immer auch die Bereitschaft, neue Wege zu gehen und aus Fehlern zu lernen.

Ein Leitspruch der Pfadfinderbewegung ist zugleich auch mein persönlicher Leitspruch: die Welt ein Stück besser zu hinterlassen, als man sie vorgefunden hat. Was für mich als Pfadfinder gilt, gilt ebenso für mich als Designer.

Mein Verständnis davon, was Gestaltung leisten kann, hat sich insbesondere während meines Studiums an der Hochschule Darmstadt am Fachbereich Gestaltung auf der Mathildenhöhe weiterentwickelt. Design bedeutet für mich heute längst nicht mehr nur, schöne Gehäuse und Produkte zu entwerfen. Es geht genauso um Systeme, Interaktionen und Gemeinschaften.

Kilian als Vorstand (2023-2026) des VCP Hessen e. V. bei der Verleihung des Nationalen Preises – Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Foto: Deutsche UNESCO-Kommission / Yanina Isla

Handwerk als Fundament

Meine Begeisterung für Gestaltung begann allerdings schon deutlich früher. Bereits als Teenager beschäftigte ich mich intensiv mit gegenständlichem Zeichnen und dem Modellieren am Computer. Mit CAD-Programmen entstanden erste eigene Entwürfe, und ein früher Schriftwechsel mit dem weltweit bekannten Möbelhersteller Vitra zeigt, wie ernst ich meinen Berufswunsch schon damals genommen habe.

Mit gerade einmal 16 Jahren führte mich dieser Weg nach Selb an die bayerisch-tschechische Grenze. Die Stadt war und ist eng mit der Tradition des hochwertigen Porzellans verbunden. Aus diesem Handwerk heraus entstand dort bereits früh eine Fachschule für Gestaltung – die Königlich Bayerische Fachschule für Porzellanindustrie, heute die Staatliche Fachschule für Produktdesign.

In Selb lernte ich das Handwerk des Gestalters von Grund auf kennen: vom Zeichnen und grafischen Gestalten über das händische Rapportieren mit Temperafarben bis hin zum Gips- und Claymodellieren. Gleichzeitig lernte ich, Magazine digital zu gestalten und präzise CAD-Daten zu erstellen. Durch meine Arbeit in einer Schreinerei konnte ich zudem mein handwerkliches Geschick weiterentwickeln und verfeinern.

Diese intensive Auseinandersetzung mit dem Handwerk hat mich nachhaltig geprägt und mir später im Studium ermöglicht, meinen Fokus stärker auf die theoretischen und konzeptionellen Aspekte der Gestaltung zu legen. Geblieben sind meine Liebe zum Porzellan, die Überzeugung, dass Gestaltung immer auch Handwerk ist, und mein hoher Anspruch an Präzision. Umso mehr hat es mich gefreut, für Tchibo eine Serie von Kaffeetassen entwickeln zu dürfen.

Das Handwerk bildet das Fundament, die Theorie den Oberbau. Gerade in Zeiten Künstlicher Intelligenz bin ich fest davon überzeugt, dass sich gute Gestaltung dadurch auszeichnet, dass spürbar wird, wie intensiv sich ein Mensch mit fundiertem Wissen, handwerklichen Fähigkeiten und einer eigenen Haltung mit dem jeweiligen Thema auseinandersetzt. KI ist dabei für mich ein weiteres Werkzeug – ähnlich wie ein CAD-Programm. Sie kann Prozesse unterstützen und neue Möglichkeiten eröffnen, ersetzt jedoch nicht die menschliche Fähigkeit, einem Produkt Emotionalität, Charakter und Bedeutung zu verleihen.

Wenn wir KI nutzen, um uns stärker auf formal-ästhetische Qualität, spannende und intelligente Lösungen und die Auseinandersetzung mit relevanten Fragestellungen zu konzentrieren, kann das eine große Bereicherung für die Gestaltung und letztlich für alle Beteiligten sein.

Ich möchte mich für eine künstlerische Intelligenz starkmachen, die sich an den Bedürfnissen des Menschen orientiert und mehr Menschen ermöglicht zu verstehen, was gute Gestaltung leisten kann.

Neugierig bleiben

Was ich besonders an Gestaltung schätze, ist die Notwendigkeit, immer wieder neu anzufangen. Gestaltung bedeutet oft die Auseinandersetzung mit zunächst unbekannten Gegebenheiten und erfordert einen interdisziplinären Austausch. Immer wieder gilt es, sich in neue Themen einzuarbeiten, Zusammenhänge zu verstehen und Wissen aus anderen Bereichen aufzunehmen.

Neugier und die Bereitschaft, neue Pfade zu erkunden, sind deshalb für mich ein wesentlicher Bestandteil von Gestaltung. Genau wie die Erkenntnis, dass Gestaltung nie im luftleeren Raum entsteht. Es gibt immer einen Kontext, eine Bedingung, eine Fragestellung oder einen Impuls, auf den wir reagieren.

Deshalb arbeite ich besonders gerne im Team. Bei daniels+erdwiens treffen Erfahrung, unterschiedliche Perspektiven und eine gewisse Agilität aufeinander. Gerade diese Mischung empfinde ich als große Stärke. Wir ergänzen uns – und genau aus diesem Zusammenspiel entstehen Lösungen, die sowohl für die User als auch für die Auftraggeber einen echten Mehrwert bieten.

Schwerpunkte meiner Arbeit

Mein Schwerpunkt bei daniels+erdwiens liegt auf der Gestaltung analoger und digitaler visueller und haptischer Oberflächen, Materialien und Farben. Dabei sind mir authentische Materialien besonders wichtig – insbesondere solche, die sich gut recyceln lassen oder aus natürlichen und nachwachsenden Rohstoffen bestehen.

Zudem ist mir wichtig, dass Gestaltung emotionale und sinnliche Erfahrungen zwischen Mensch und Produkt schafft und Produkte intuitiv und leicht verständlich werden. Gerne arbeite ich dabei mit physischen Arbeitsmodellen, um Gestaltung und Materialität unmittelbar zu erfahren und weiterzuentwickeln.