Handwerk als Fundament
Meine Begeisterung für Gestaltung begann allerdings schon deutlich früher. Bereits als Teenager beschäftigte ich mich intensiv mit gegenständlichem Zeichnen und dem Modellieren am Computer. Mit CAD-Programmen entstanden erste eigene Entwürfe, und ein früher Schriftwechsel mit dem weltweit bekannten Möbelhersteller Vitra zeigt, wie ernst ich meinen Berufswunsch schon damals genommen habe.
Mit gerade einmal 16 Jahren führte mich dieser Weg nach Selb an die bayerisch-tschechische Grenze. Die Stadt war und ist eng mit der Tradition des hochwertigen Porzellans verbunden. Aus diesem Handwerk heraus entstand dort bereits früh eine Fachschule für Gestaltung – die Königlich Bayerische Fachschule für Porzellanindustrie, heute die Staatliche Fachschule für Produktdesign.
In Selb lernte ich das Handwerk des Gestalters von Grund auf kennen: vom Zeichnen und grafischen Gestalten über das händische Rapportieren mit Temperafarben bis hin zum Gips- und Claymodellieren. Gleichzeitig lernte ich, Magazine digital zu gestalten und präzise CAD-Daten zu erstellen. Durch meine Arbeit in einer Schreinerei konnte ich zudem mein handwerkliches Geschick weiterentwickeln und verfeinern.
Diese intensive Auseinandersetzung mit dem Handwerk hat mich nachhaltig geprägt und mir später im Studium ermöglicht, meinen Fokus stärker auf die theoretischen und konzeptionellen Aspekte der Gestaltung zu legen. Geblieben sind meine Liebe zum Porzellan, die Überzeugung, dass Gestaltung immer auch Handwerk ist, und mein hoher Anspruch an Präzision. Umso mehr hat es mich gefreut, für Tchibo eine Serie von Kaffeetassen entwickeln zu dürfen.
Das Handwerk bildet das Fundament, die Theorie den Oberbau. Gerade in Zeiten Künstlicher Intelligenz bin ich fest davon überzeugt, dass sich gute Gestaltung dadurch auszeichnet, dass spürbar wird, wie intensiv sich ein Mensch mit fundiertem Wissen, handwerklichen Fähigkeiten und einer eigenen Haltung mit dem jeweiligen Thema auseinandersetzt. KI ist dabei für mich ein weiteres Werkzeug – ähnlich wie ein CAD-Programm. Sie kann Prozesse unterstützen und neue Möglichkeiten eröffnen, ersetzt jedoch nicht die menschliche Fähigkeit, einem Produkt Emotionalität, Charakter und Bedeutung zu verleihen.
Wenn wir KI nutzen, um uns stärker auf formal-ästhetische Qualität, spannende und intelligente Lösungen und die Auseinandersetzung mit relevanten Fragestellungen zu konzentrieren, kann das eine große Bereicherung für die Gestaltung und letztlich für alle Beteiligten sein.
Ich möchte mich für eine künstlerische Intelligenz starkmachen, die sich an den Bedürfnissen des Menschen orientiert und mehr Menschen ermöglicht zu verstehen, was gute Gestaltung leisten kann.